Et la roue de la vie

À propos

Valentin Clastrier, maître incontestable de la vielle à roue électro-acoustique, nous livre un ouvrage sur son savoir-faire musical et la technique instrumentale unique qu'il a développée à travers son oeuvre.

  

Associé à un DVD, ce livre dévoile des clés essentielles de son jeu: les doigtés de la main droite, les techniques de coups de poignet et une recherche d'écriture complète.

 

Ce langage novateur est explicité par la combinaison de partitions, d'exemples et illustrations musicales filmées, et d'animations visuelles claires et efficaces. L'imaginaire de la vielle de Valentin Clastrier reste également présent, avec ses représentations, sa démarche artistique et ses réflexions de créateur.

 

La vielle et l'univers de l'infinie roue-archet valorise une vielle à roue en pleine reconversion dans le domaine des musiques traditionnelles et actuelles. Cet outil est destiné aux musiciens amateurs et professionnels, pédagogues, compositeurs, viellistes d'aujourd'hui et amateurs d'expériences musicales hors du commun.

 


 

Es war 1982 in Saint-Chartier auf dem alljährlichen Treffen der Drehleier-, Dudelsackspieler und Instrumentenbauer, als Valentin Clastrier mit seinem Drehleierspiel die gesamte Fachwelt in Erstaunen versetzte. Mit einer für unmöglich gehaltenen Virtuosität und Spieltechnik zeigte er die neuen Dimensionen des Instruments, zugleich aber auch seine große musikalische Kreativität. Obwohl seine Kompositionen nichts Traditionelles hatten, stürzten die Liebhaber der traditionellen Musik an die Plattenstände, seine Schallplatte war im Nu ausverkauft

 

Möglich wurde das, weil er die Drehleier nicht als folkloristisches Dekorstück sah, sondern als ernstzunehmendes Musikinstrument, das - wie andere - jahrelang viele Stunden täglichen Übens verlangt. Sein Forscherdrang und seine Experimentierfreude ließen ihn das Instrument weiterentwickeln, und durch seine Kreativität entstanden viele Werke, weltweit aufgeführt und vielfach ausgezeichnet.
Nun ist ihm wieder ein bahnbrechender Schritt zur Aufwertung der Drehleier gelungen: die Analyse der Schlagtechnik, eine Systematik der Schläge und ein System für deren Notation. Die erhöhte Wertschätzung der Drehleier zeigt sich darin, dass Clastrier für dieses Werk ein zweimaliger Künstleraufenthalt in der Abgeschiedenheit der zentralfranzösischen Bergwelt ermöglicht wurde, gefördert von verschiedenen regionalen Organisationen und der EU!

 

Das Buch ist aufwendig gestaltet, 170 Seiten mit eingelegter DVD, die alleine schon ..., doch dazu später. Mit fast missionarischem Eifer und Pathos setzt Clastrier all seine kreativen Talente ein, malt und zeichnet, dichtet und philosophiert, um die Möglichkeiten eines außergewöhnlichen Musikinstrumentes hervorzuheben. Das ist jedoch nur schmückendes Beiwerk und ohne fundierte Sprachkenntnisse in seinen Feinheiten kaum zu erfassen. Aus dem Blickwinkel eines Drehleier spielenden nicht Franzosen beschränkt man sich daher auf die konkreten Ergebnisse seiner Arbeit.

 

Zuerst erfahren wir auf einem Dutzend Seiten Clastriers Ansichten über Besaitung, Stimmung (wohltemperiert oder nicht), Baumwolle (oder nicht) und Kolophonium, über Maße von Kurbel und Kurbelknopf und über den Schnarrsteg, für dessen Proportionen er eine „goldene Regel“ aufstellt. (Er konzediert allerdings, dass dieser auch nach anderen Prinzipien funktioniert. Zum Spaß schnitzte ich mir einen - genauso willkürlich - nach dem „Goldenen Schnitt“, und der tat’s ebenso hervorragend wie sein ohne mathematische Regel hergestellter Vorgänger.) Dieser Schnarrsteg und die damit verbundene Technik der rechten oder besser der „Schlag“-Hand (es gibt auch Drehleiern für Linkshänder) steht im Mittelpunkt des Buchs. Für die Melodiehand ist ein späterer Band avisiert.

 

Das Kapitel über den Fingersatz der Schlaghand ist höchst informativ - das hätte ich gerne 25 Jahre früher gelesen! Clastrier teilt die Schlagtechnik in zentral, vertikal und horizontal ein, je nachdem, ob z. B. der erste Schlag eines Vierers „oben“ in 12-Uhr-Position, in 13.30-Uhr-Position oder 11-Uhr-Position ausgeführt wird. Und er zeigt, wie sich die beteiligten Stellen von Fingern und Hand dann entsprechend ändern. Da wird auch klar, warum die zentrale Ausführung die Muskulatur schneller ermüdet und verkrampft.

Das Kapitel über die verschiedenen Schläge ist umfangreich, sehr komplex und nicht gerade leicht zu erfassen, wie z. B. die Einführung eines „Generateur“ der Schläge, womit er eine bestimmte Grundstruktur eines Schlags versteht. Ein Sechserschlag kann so entweder auf einem Zweier- oder einem Dreierschlag basieren, die Schläge sitzen an derselben Stelle, werden aber unterschiedlich betont. Die Notation zeigt auch das. Die Zahl der möglichen Schlagvariationen ist enorm: Bei der Pfeil-Notation führt er 19 verschiedene an, in Mandalaform stellt er 28 dar, und am Ende dieses Kapitels folgt eine Übersicht mit 86 Beispielen - die sei aber nicht vollständig, meint er.

 

Wichtig ist noch der Hinweis, dass es sich nicht um ein Übungsbuch mit Lektionen handelt, vielmehr um die wesentlichen Grundlagen für ein Aufzeigen von Wegen, Möglichkeiten und Perspektiven, wie Clastrier in Wort (DVD) und Schrift betont. In den folgenden musikalischen Perspektiven 1 und 2 befasst er sich mit Dynamik, Drehgeschwindigkeit, Dissoziation und Dekompensation, Artikulation und Interpretation sowie mit verschiedenen Kompositionstechniken wie Spiegelung, modalen Filtern und einem Zoomeffekt. Das Buch endet mit der Partitur seiner Komposition „Les Quat’ Verités“ - ob das einmal jemand vom Blatt spielen kann?

 

Und nun die DVD, einfach großartig! Über eine Stunde sehen und hören wir dem Meister zu. Auf seine sympathische Art stellt er uns seine Kunst vor, lässt die elektronisch abgenommene Drehleier die erstaunlichsten Klänge und Geräusche produzieren und man glaubt ihm: Kein anderes Instrument des Orchesters hat diesen Reichtum an Möglichkeiten. Nach den „Quat’ Verités“ demonstriert er über 20 verschiedene Schläge, wobei bis zu drei Kameras das Geschehen aus verschiedenen Winkeln simultan festhalten. Und mit Standbild, Zeitlupe und Zoom kommen wir den Geheimnissen der Schlagtechnik noch näher - zum Beispiel der verblüffenden Erfindung „Scappata“, wobei der Kurbelknopf teilweise mit den Fingerrücken bewegt wird! Zum Schluss der DVD stellt er sein Instrument mit all seinen eingebauten Raffinessen vor: Instrumentenbauer werden diesen höchst informativen Teil mit Zoom, Zeitlupe und Standbild besonders genießen!

 

Von Vorteil ist die Aufteilung der DVD in 41 Kapitel, sodass sich die Beispiele einzeln anwählen lassen, ein Verzeichnis muss man sich aber selber anlegen.

 

Als Resümee wage ich die Behauptung: Valentin Clastrier hat mit diesem Werk der Drehleier den Weg in die Musikhochschulen geebnet, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis man Drehleier wie andere Instrumente auch studieren kann. Lehrbuch und Lehrer gibt es nun schon..